BUND Leverkusen

Allzu schnell mit der Motorsäge zur Hand

13. März 2021 | AKÖFF, Lebensräume

„Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot“ – wer kennt es nicht, das Lied von Alexandra! Ein Lied davon singen können auch in diesem Jahr wieder viele Naturschützer und Baumfreunde, wie Dorothee Morgenstern vom NABU Leverkusen.

Die Leverkusener lieben ihre alten Bäume. Das zeigte sich auch beim letztjährigen Wettbewerb der Leverkusener Naturschutzverbände NABU und BUND zum Lieblingsbaum der Leverkusener - und jetzt sind schon zwei dieser Lieblingsbäume abgesägt worden!

Von Baumfällungen können leider auch in diesem Jahr wieder viele Naturschützer und Baumfreunde berichten. Alte, wertvolle Leverkusener Bäume werden immer noch kurzerhand abgesägt! Warum?

Dorothee Morgenstern  vom NABU Leverkusen meint dazu: „Die meisten der gefällten Riesen, von denen es in Leverkusen sowieso immer weniger gibt, könnten - auch wenn sie das Zipperlein plagt - bestimmt noch ein paar Jahrzehnte zu unser aller Nutzen und Freude leben“.

Die Standfestigkeit ist meist nicht das Problem und Astbruchgefahr lässt sich mit Pflegemaßnahmen begegnen. So kann in der Regel der Verkehrssicherungspflicht Genüge getan werden.

Und gerade in Zeiten, in denen Klima-, Umwelt- und Artenschutz wichtiger denn je sind, ist selbst ein einzelner großer Baum von enormer Bedeutung. Mit Ersatzpflanzungen lässt sich sein Nutzen für unsere gesunde Luft erst in 50 bis 80 Jahren wieder ausgleichen,

Als eigener kleiner Biotop bot der aktuell abgesägte „Methusalem“ im Tillmans Park einen Lebensraum für zahllose Lebewesen wie Flechten, Moose, Pflanzen, Spinnen, Käfer und andere Insekten, sowie für viele Vögel und Säugetiere. Mit der Fällung wurde dieser unwiederbringlich zerstört.

Jeder weiß es - alte Bäume sind wertvoll! Kleiber, Baumläufer, Spechte, Meisen, Bussarde, Rotmilane brauchen alte Bäume – genauso wie Eichhörnchen, Siebenschläfer und Fledermäuse, die in den Höhlen ein Zuhause finden.

Dem Stadtklima dienen Bäume als Feinstaubfilter und Sauerstofflieferant, sowie mit ihrem Schatten und der Wasserverdunstung über ihr Blattwerk als Kühlanlage.

Dorothee Morgenstern bittet dringend, diese Faktoren zu beachten, bevor die Säge wieder angesetzt wird. „So könnten meine Freunde, wie zum Beispiel auch die restlichen alten Kastanien in der Opladener Kastanienallee noch etliche Jahre – trotz ihrer Altersbeschwerden – glücklich und zufrieden existieren.“

Die Leverkusener Umweltverbände NABU und BUND fordern deswegen von Politik und Verwaltung seit langem die Wiedereinführung einer Baum- und Grünschutzsatzung für Leverkusen. Nur so lassen sich unsere wertvollen Bäume, naturnahen Freiflächen und Grünanlagen nachhaltig schützen. Leider blieben ihre Bemühungen bisher erfolglos, und daher müssen immer noch viele  alte Bäume sterben.

Dorothee Morgenstern: „Ich wünsche mir mehr Verständnis und ein Umdenken, um den Raubbau und Frevel am Grün unserer Stadt zu stoppen“.

Schon Eugen Roth wusste:
Zu fällen einen schönen Baum,
braucht's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
Braucht er, bedenk‘ es, ein Jahrhundert!

Zur Übersicht