BUND Leverkusen

Auf Orchideensuche!

08. Juli 2020 | AKÖFF

Wie schon in den vergangenen Jahren bitten die Naturschützer wieder alle Leverkusener*innen um Unterstützung bei der Zählung der breitblättrigen Stendelwurz! Wenn Sie in Ihrem Garten, auf dem Friedhof oder an anderen halbschattigen Standorten eine mit 25 bis 80 (!) weißrosa, violettfarbenen oder grünlichen Einzelblüten geschmückte Pflanze entdecken, haben Sie diese einheimische Orchidee gefunden. Melden Sie sie dann bitte per Mail an  meldungen@nabu-leverkusen.de  - gerne mit einem Foto - oder per Telefon im InfoTreff von BUND und NABU unter 0214-506424! Eine genaue Ortsangabe und die Anzahl der Pflanzen erleichtern uns die Auswertung.

 (Hans-Martin Kochanek)

Die breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) ist die in Leverkusen häufigste einheimische Orchidee. Bitte melden sie Ihre Funde auch, wenn sie diese in einem der Vorjahre schon gemeldet haben. NABU und BUND machen jedes Jahr eine Karte der Standorte und können so über die Jahre die Entwicklung und Veränderung der Orchideenstandorte in Leverkusen beurteilen.

Durch die vielen Rückmeldungen der Leverkusener in den letzten Jahren ist das Wissen über das Vorkommen dieser schönen Pflanze deutlich gestiegen. Fast 70 Standorte sind inzwischen in Leverkusen bekannt geworden. Diese hübsche Pflanze kommt manchmal auch in unseren Gärten vor. Dort bevorzugt sie ungedüngte und ungespritzte Bereiche.

Zu finden ist die Stendelwurz mit ihren zarten Blüten in der Zeit von Juni bis August an lichten bis halbschattigen Standorten wie Waldrändern, Lichtungen oder Gärten. Und wie immer gilt auch hier: mit den Augen genießen, aber niemals ausreißen oder pflücken.
Die breitblättrige Stendelwurz lockt Wespen mit einem Duftstoff an, der ihnen Beute signalisiert. Der Duft ähnelt einer Kohlweißlingsraupe, mit der die Wespen gerne ihren Nachwuchs ernähren. Die Insekten finden dann am Ziel zwar keine Beute, aber auch etwas Leckeres: ein reiches Nektarangebot. Einmal vor Ort übernehmen sie mittels eines raffinierten Systems die Bestäubung der Orchideen. Und das klappt so: der Blütenstaub der Stendelwurz ist in Pollenpaketen, den sogenannten Pollinien konzentriert, die mit einer Klebescheibe versehen sind. Wenn ein Insekt in eine Blüte krabbelt, werden durch spezielle Mechanismen die Pollenpakete auf den Rücken oder den Kopf der Insekten geklebt. Bei der nächsten Blüte bleiben diese Pollen dann an der Narbe der Blüte hängen und führen so zur Befruchtung.

In den Fruchtkapseln reifen anschließend die winzigen, kleinen Samen heran - etwa 10.000 pro Frucht. So hat die Orchidee gute Möglichkeiten sich weiterzuverbreiten. Bevorzugt können sie dort keimen, wo noch einige Kräuter wachsen dürfen und nicht gedüngt wird – das ist in unserer freigeräumten und intensiv genutzten Landschaft leider inzwischen nur noch selten zu finden.
 
Da die Samen keine Nährstoffe beinhalten, sind sie zur erfolgreichen Keimung auf bestimmte Pilze angewiesen. Diese Pilze versorgen die Samen mit Wasser und Nährsalzen (Symbiose). Bis zur blühenden Orchideen vergehen dann meist mehrere Jahre.
 
Die breitblättrige Stendelwurz wurde 2006 zur Orchidee des Jahres gewählt. Der Arbeitskreis heimischer Orchideen (AHO) wollte dadurch darauf hinweisen, dass der Bestand auch dieser, eigentlich recht häufigen und robusten Art aufgrund der Verschlechterungen der Lebensräume inzwischen zurückgeht.
 
Die Leverkusener Naturschutzverbände BUND und NABU möchten gerne mehr über die Verbreitung der breitblättrigen Stendelwurz in Leverkusen erfahren. Durch die Hilfe der Leverkusener Mitbürger*innen kann die Verbreitungskarte dieser Orchidee für Leverkusen vervollständigt werden. So kann die Orchidee eine Rolle als Bioindikator übernehmen und uns wichtige Informationen über die Veränderungen in unserer Umwelt liefern.

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